Energiemais für Biogasanlagen: Maximale Methanausbeute pro Hektar

Mais ist das unangefochtene Rückgrat der landwirtschaftlichen Biogaserzeugung in Mitteleuropa. Keine andere Kulturpflanze bietet eine derart effiziente Kombination aus enormer Biomasseproduktion, hohem Energiegehalt und unkomplizierter Konservierung (Silierung). Um die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage zu sichern, reicht es jedoch nicht aus, einfach „viel Masse“ zu ernten. Entscheidend ist der Methanertrag pro Hektar – und dieser wird durch das komplexe Zusammenspiel von Trockenmasseertrag und spezifischer Gasausbeute bestimmt.

Die zwei Säulen des Methanertrags

Der Methanertrag eines Maisbestandes berechnet sich aus dem Gesamttrockenmasseertrag (GTM) multipliziert mit der spezifischen Methanausbeute des Substrats (Normliter Methan pro Kilogramm organische Trockensubstanz).

  1. Der Kolben (Stärke): Der Maiskolben ist das energetische Kraftwerk der Pflanze. Die darin enthaltene Stärke lässt sich im Fermenter der Biogasanlage nahezu vollständig und extrem schnell zu Biogas (Methan und CO2) abbauen. Grundsätzlich gilt: Ein hoher Kolbenanteil garantiert eine hohe spezifische Gasausbeute.
  2. Die Restpflanze (Faser): Die Restpflanze (Stängel, Blätter) liefert die notwendige Masse (GTM). Ihre Energieausbeute hängt jedoch massiv von der Verdaulichkeit der Faserfraktionen (Cellulose, Hemicellulose) ab. Stark verholzte (lignifizierte) Stängel können von den methanogenen Bakterien im Fermenter nur unzureichend aufgeschlossen werden.

Der optimale Erntezeitpunkt für Biogasmais

Anders als oft vermutet, unterscheidet sich der optimale Erntezeitpunkt für Biogasmais kaum von dem für Kuh-Silomais. Das Ziel ist ein Trockensubstanzgehalt der Gesamtpflanze von 30 bis 33 Prozent.

  • Unter 30 % TS: Die Stärkeeinlagerung im Kolben ist noch nicht abgeschlossen, es wird wertvolles Ertragspotenzial verschenkt. Zudem drohen im Silo massive Sickersaftverluste.
  • Über 35 % TS: Die Biomasse verholzt zunehmend. Die spezifische Gasausbeute sinkt, da die Bakterien die Zellwände schlechter knacken können. Das größte Problem ist jedoch die extrem schwierige Verdichtung im Silo, was zu Lufteinschlüssen und Schimmelbildung führt.

Die Gorilla-Strategie:
MEGALODON für den Fermenter

Lange Zeit dominierten massenwüchsige, extrem späte Sorten (FAO > 400) den Biogasmarkt. Diese „Wassermelonen-Sorten“ lieferten zwar optisch beeindruckende Bestände von vier Metern Höhe, erreichten in Mitteleuropa aber oft nicht die notwendige Kolbenreife. Das Ergebnis: Viel Wasser, wenig Stärke, geringer Methanertrag.

Die moderne Biogas-Züchtung setzt auf kompaktere, ertragsstabile Sorten mit hohem Kolbenanteil. Hier schlägt die Stunde von MEGALODON (mittelspät, RZ S 260/270). Diese Sorte wurde für maximale Flächenproduktivität auf warmen Standorten entwickelt. Sie kombiniert einen gewaltigen Trockenmasseertrag mit einem überdurchschnittlich hohen Kolbenanteil (Körnermais-Spitzenwert 134,3 dt/ha).

Für den Anlagenbetreiber bedeutet das: MEGALODON liefert nicht nur den Fermenter voll, sondern füttert die Bakterien mit hochverdaulicher Stärke. Die exzellente Blattgesundheit (9/10) stellt sicher, dass die Pflanze bis zur Ernte assimiliert und keine Energie durch vorzeitiges Absterben der Blätter verloren geht.

Alternativen und Flexibilität:
MEDUSA

Nicht jede Biogasanlage steht in einer klimatischen Gunstregion. In kühleren Lagen oder wenn der Mais nach einer späten Vorfrucht (z.B. Ackergras) als Zweitfrucht angebaut wird, ist MEGALODON zu spät.

Hier bietet MEDUSA (mittelfrüh, RZ S 220) die perfekte Alternative. MEDUSA ist eine klassische Doppelnutzungssorte. Sie punktet durch eine extrem hohe Restpflanzenverdaulichkeit. Was im Pansen der Kuh funktioniert, funktioniert auch im Fermenter der Biogasanlage: Die Bakterien können die Faserstruktur von MEDUSA hervorragend aufschließen. Das schnelle Dry-Down sorgt zudem dafür, dass der Mais auch in kühlen Herbstwochen sicher seinen Ziel-TS-Gehalt erreicht und nicht als nasses, schwer silierbares Substrat geerntet werden muss.

Parameter | Einfluss auf Biogasertrag | Züchterische Lösung
Gesamttrockenmasse (GTM) | Basis für den Hektarertrag | MEGALODON (Maximalertrag)
Stärkegehalt (Kolben) | Hohe spezifische Methanausbeute | MEGALODON (Hoher Kornertrag)
Restpflanzenverdaulichkeit | Energie aus der Faser | MEDUSA (Verdaulichkeit 8/10)
Abreifeverhalten | Sichere Erreichung von 30 – 33 % TS | MEDUSA (Schnelles Dry-Down)


Praxistipp: Die Häcksellänge für Biogasmais sollte bei 30 – 33 % TS zwischen 6 und 8 Millimetern liegen. Längeres Häckselgut schwimmt im Fermenter auf und bildet Schwimmschichten, die Rührwerke blockieren. Kürzere Längen (unter 4 mm) erhöhen den Dieselverbrauch des Feldhäckslers unverhältnismäßig, ohne die Gasausbeute nennenswert zu steigern.