Sortenwahl in der Praxis: Auf die richtige Genetik kommt es an
Die Entscheidung für eine Maissorte ist eine der wichtigsten Weichenstellungen im landwirtschaftlichen Jahr. Saatgutkosten machen zwar nur etwa 10 bis 15 Prozent der variablen Kosten im Maisanbau aus, doch die Genetik determiniert zu 100 Prozent, wie gut der Bestand mit den standortspezifischen Herausforderungen (Boden, Klima, Krankheitsdruck) umgehen kann. Ein Fehler bei der Sortenwahl lässt sich weder durch mehr Dünger noch durch teuren Pflanzenschutz korrigieren.
Die Qual der Wahl: Reifezahl, Nutzungsrichtung, Stresstoleranz
Der europäische Saatgutmarkt bietet hunderte zugelassene Maissorten. Um in diesem Dschungel die richtige Entscheidung zu treffen, müssen Landwirte ihr eigenes betriebliches Anforderungsprofil exakt definieren.
- Die Reifezahl (FAO-Zahl / Silo- und Körnerreifezahl):
Die Reifezahl gibt an, wie viel Wärmesumme eine Sorte benötigt, um die physiologische Reife zu erreichen. Sie muss zwingend zum Standort passen. Eine zu späte Sorte auf einem kühlen Standort erreicht im Herbst nicht den nötigen Trockensubstanzgehalt (TS) und muss nass geerntet werden (Sickersaftverluste im Silo, extreme Trocknungskosten beim Körnermais). Eine zu frühe Sorte auf einem warmen Standort verschenkt wertvolles Ertragspotenzial, da sie die Vegetationszeit nicht ausnutzt. - Die Nutzungsrichtung:
– Silomais (Milchvieh): Hier zählen Trockenmasseertrag, Energiegehalt und vor allem die Restpflanzenverdaulichkeit.
– Körnermais / CCM: Fokus auf Kornertrag, Standfestigkeit, Blattgesundheit und ein schnelles Dry-Down (Abtrocknung des Korns).
– Biogasmais: Maximaler Trockenmasseertrag gepaart mit hoher spezifischer Gasausbeute (Stärkegehalt + verdauliche Restpflanze). - Agronomische Eigenschaften (Stresstoleranz):
In Zeiten des Klimawandels werden agronomische Merkmale wie Kältetoleranz (für Frühsaaten), Trockentoleranz (für Hochsommerhitze) und Stay-Green (für ein breites Erntefenster) oft wichtiger als der reine Spitzenertrag auf dem Papier.